Multiboot mit home-Partition

Donnerstag 21. September 2017 von Torsten

Die bisher erstellten Multiboot-Systeme nutzen alle ein eigenes home-Verzeichnis auf ihrer jeweiligen Partition. Auf sda1 befindet sich also das home-Verzeichnis von Ubuntu. Auf sda2 befindet sich das home-Verzeichnis von Kubuntu. Auf sda3 und sda4 haben auch Lubuntu und Xubuntu ihre eigenen home-Verzeichnisse.

Nun kann man natürlich auf die Idee kommen eine eigene home-Partition zu erstellen, die sich alle Partitionen teilen. Grundidee ist dabei die Nutzerdaten nur einmal an einem zentralen Ort abzuspeichern und dann von jeder Partition und jeder Linuxversion darauf zugreifen zu können.

Dieser Artikel zeigt verschiedene Wege auf, um das zu realisieren.

1. Nur ein home-Verzeichnis nutzen

Der einfachste Weg besteht darin, einfach nur ein einziges home-Verzeichnis zu nutzen. Das Multiboot-System wird also wie in den vorhergehenden Artikeln beschrieben ohne home-Partition angelegt und alle persönlichen Daten werden beispielsweise nur im home-Verzeichnis von sda1 abgelegt.

Ein Praxistest zeigt, dass es problemlos möglich ist auf die home-Verzeichnisse aller Partitionen zuzugreifen. Vermutlich aber auch nur wenn der Eigentümer des jeweiligen home-Verzeichnisses identisch ist. Für unterschiedliche Eigentümer wurde kein Praxistest durchgeführt, deshalb kann dazu keine Aussage getroffen werden…

2. Daten-Partition erstellen

Der etwas bessere Weg besteht vermutlich darin, einfach eine Partition als Daten-Partition zu nutzen.

sda1 75 GB Ubuntu
sda2 75 GB Xubuntu
sda3 75 GB Lubuntu
sda4 75 GB Daten-Partition

Hier im Beispiel wird jetzt auf Partition sda4 einfach keine Linuxversion mehr installiert sondern nur eine leere Partition mit ext4-Dateisystem erstellt.

Die persönlichen Daten (Textdokumente, Bilder, Mediadateien) werden für alle Linuxversionen gemeinsam hier abgespeichert.

Beide bisher beschriebenen Methoden behalten aber auch die home-Verzeichnisse der Linuxversionen. Sie werden halt nur nicht genutzt.

3. Die home-Partition – Version 1

Nun wird erstmals eine eigene home-Partition erstellt.

sda1 75 GB Xubuntu
sda2 75 GB home-Partition für Xubuntu
sda3 75 GB Partition 3
sda4 75 GB Partition 4

Die Partitionen wurden per Gparted Liveversion erstellt. Die Installation von Xubuntu weicht nun etwas von den bisher beschriebenen Installationen ab.

Das System wird nun vom “Xubuntu USB-Stick” gestartet und dem Installationsassistenten bis zur Auswahl des Installationstyps gefolgt.

Als Installationstyp wird “Etwas Anderes” ausgewählt und dann die gewünschte Partition angewählt.

Die Partition (hier jetzt sda1) wird dabei über Kontextmenü “ändern” ausgewählt. Hier finden sich etwas versteckt die Einstellungen die vorgenommen werden müssen.

Die Größe wird hier nicht geändert, denn die wurde ja schon per Gparted festgelegt. Wichtig sind hier nur die Angaben zum Dateisystem und dem Einbindungspunkt.

Als Einbindungspunkt für sda1 wird aus dem Auswahlmenü der Schrägstrich ausgewählt.

Abweichend zu den bisherigen Installationen wird nun auch die zweite Partition (hier sda2) ausgewählt. Partition sda 2 wird also über Kontextmenü “ändern” ausgewählt.

Die Größe wird auch hier nicht geändert. Als Dateisystem wird ext4 ausgewählt.

Als Einbindungspunkt wird nun aber abweichend “/home” ausgewählt. Im Auswahlmenü findet sich dazu ein entsprechender Eintrag.

Es sind nun also zwei Partitionen für die Installation ausgewählt.

Für das Linux-System mit Einbundungspunkt “/” – also nur der Schrägstrich.

Für die home-Partition der Schrägstrich mit home.

Die restliche Installation läuft wie gewohnt und mehrfach beschrieben ab.

Im Ergebnis bekommt man nun eine zusätzliche home-Partition für Xubuntu auf sda2.

Im Praxistest wurden auf diesem Weg zwei home-Verzeichnisse erstellt. Linux schreibt anscheinend ein home-Verzeichnis doch auf sda1 und ein zweites wie geplant auf sda2.

Im “sda1-home” wird auch die Unterordnerstruktur (die Ordner Dokumente, Bilder und so weiter) angelegt. Der “sda2-home” bleibt erst einmal leer.

Spätestens hier möchte ich auch darauf hinweisen, dass das Eis jetzt anfängt dünner zu werden. Linux speichert im home-Verzeichnis auch “versteckte Daten” für die Nutzerkonfigurationen. Bei einer eigenen home-Partition die diese Daten nicht speichert, werden also Konfigurationen und Systemeinstellungen nicht mehr mit-gesichert.

Laut intensiver Internetrecherche kann es auch zu Systemkonflikten kommen, wenn mehrere Linuxversionen mit teilweise unterschiedlichen Programmversionen versuchen auf eine gemeinsame home-Partition zuzugreifen…

4. Die home-Partition – Version 2

Jetzt geht es auf ganz dünnes Eis. Die Installation wie bei Punkt 3 beschrieben kann nun (theoretisch) auch noch dadurch erweitert werden, dass mehrere Linuxversionen auf unterschiedlichen Partitionen auf nur eine gemeinsame home-Partition zugreifen.

Bei jeder weiteren Installation wird also zusätzlich zur Systempartition (sda3, sda4) auch noch auf die “sda2-home” zugegriffen. Partition sda2 wird also zusätzlich mit ausgewählt.

Die Probleme und Gefahren hatte ich schon beschrieben. Nutzerkonfigurationen und Programmkonfigurationen werden eventuell nicht mehr gespeichert und Systemkonflikte sind möglich, wenn mehrere Linuxversionen mit teilweise unterschiedlichen Programmversionen versuchen auf eine gemeinsame home-Partition zuzugreifen.

Dieses Szenario habe ich aber noch nicht einem Praxistest unterzogen und möchte deshalb auch keine Empfehlung für diesen Weg aussprechen.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 21. September 2017 um 08:00 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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