Cebit 2010

Samstag 13. März 2010 von herb

Die Cebit wird überschaubar.

Zwar gab es, wie schon im letzten Jahr, im Zug nur noch Stehplätze, zumindest aber war das Gedränge geringer. Vielleicht lag es an schwindender Attraktion, vielleicht aber auch hatte der üppige Schneefall der vorherigen Nacht manchem Interessierten bei einer spontanen Entscheidungsfindung geholfen — wie auch immer.

Auf der Messe selbst herrschte das altbekannte Gewühl und Geschiebe. Die in den letzten Jahren zurückgegangenen Besucherzahlen wurden durch die Reduzierung der Ausstellungsfläche wieder ausgeglichen.

Unser Hauptinteresse – wen wunderts – galt natürlich dem Open-Source-Areal, in diesem Jahr in Halle 2. Neben kleinen Austellern wie Perl oder PostgreSQL und größeren wie den obligatorischen Linux-New-Media und OpenOffice.org gab es wieder hörenswerteVorträge wie die Vorstellung des aktuellen Knoppix 6.3 vom bewährten Herrn Knopper, sowie eine Präsentation von „ffgtk“, einer Software, die Telefonie, Fax und (experimentell) auch SMS unter einer Oberfläche vereint.

Schnittstellen wie Modems oder FritzBox können direkt konfiguriert werden – ohne systemnahe Eingriffe, die bis in Kernelnähe reichen können und unbedarfte Anwender restlos überfordern würden. Vor einigen Jahren durch einen akuten Mangel an Fax-Lösungen für Linux initiiert, ist hier ein Programm herangereift, das heute das Faxen von nahezu jedem Dokument, das sich irgendwie nach .tiff konvertieren lässt, und aus vielen Programmen heraus, direkt und einfach möglich macht. Die Entwicklung ist zwar noch lange nicht abgeschlossen, aber stabil und auf jeden Fall einen Blick wert.

Insgesamt hatten wir allerdings den Eindruck, dass der Open-Source-Bereich auf der Cebit leicht geschrumpft war — immerhin war von namhaften Distributoren wie Ubuntu oder Novell/OpenSuse im Gegensatz zu 2009 kein Vertreter vor Ort — schade eigentlich. Das Interesse an Open-Source-Lösungen war schließlich unübersehbar. An allen noch so kleinen Ausstellungstischen wurde rege präsentiert, informiert, diskutiert, demonstriert und vorgeführt, was in Fachkreisen auch „Leben in der Bude“ genannt wird.

In den anderen Hallen bei Soft- und Hardware herrschte, wie eingangs erwähnt, der altbekannte Andrang. Bahnbrechende „Innovationen“, die auch dem Endverbraucher zugute kommen, gab es aber nicht wirklich zu entdecken — nur die gewohnten Kabel, Mainboards, alle Arten von Ein- und Ausgabegeräten, usw. usw.

An einem Stand wurden 3D-Monitore gezeigt, deren dazugehörende Brillen (ganz ohne laufen die Geräte noch immer nicht richtig rund) auf Basis linearer Polfilter funktionieren. Die Helligkeit der Abbildung war, für diese Technik typisch, eher gering, andererseits aber wird so die Farbstichigkeit der üblichen Magenta/Blau-Brillen umschifft. Es bleibt nur noch die Frage, ob und wann solche Realitätssurrogate in den ersten Wohnzimmern Einzug halten, und — ob deswegen auch bessere Filme gedreht werden.

Im übrigen konnte man in diesem Jahr buchstäblich von einem Rundgang reden. Da lediglich die Hälfte des gesamten Ausstellungsgeländes belegt war, war es möglich, alle Hallen fast ohne Kreuzungen, Abstecher oder Zickzacklaufen zu besuchen. Weniger zu sehen gab es deshalben nicht — mehr allerdings auch nicht.

Die Cebit 2010 war halt – genau – überschaubar.

Nichtsdestotrotz und vielleicht gerade deswegen sind wir schon auf die Cebit 2011 gespannt.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Samstag 13. März 2010 um 15:20 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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