Linux-User-Groups

Von Aachen bis Frankfurt/Oder und von Flensburg bis Konstanz gibt es mittlerweile einige hundert LUGs in Deutschland – wieviele genau, zudem Europa- oder gar weltweit, von Albanien bis Zimbabwe, kann googlen, wer mag. Es ist eine feine Aufgabe für Freunde von Recherchen.

Sei’s drum, entscheidend ist, dass überall, vom IT-Profi bis zum unbedarften Hobby-Anwender sich Menschen zusammenfinden, die die Vorzüge freier Software für sich entdeckt haben. Angefangen bei der kostenlosen, zumindest aber lizenzrechtlich unbedenklichen Nutzung von Office-, Bildbearbeitungs- und aller Arten von Anwendungsprogrammen, über fortgeschrittene, semiprofessionelle Einsätze wie Datenbanken, Webserver etc. bis hin zu der Möglichkeit, selbst am Quellcode herumzufrickeln, falls man es kann – jeder Nutzer mit jedem Anspruch findet hier einen Platz. Ganz zu schweigen von den Sicherheitsaspekten bei der gelegentlichen und erst recht bei der täglichen Reise durchs Internet.

Apropos kostenlos – ganz kostenlos? Wem Zeit Geld ist, dem sicher nicht.

Immerhin kostet es Zeit, sich in bis dahin unbekannte Software einzuarbeiten. Es kostet vor allem die Bereitschaft und Offenheit, alternative Konzepte und Verfahren aufzunehmen und zu akzeptieren. Und es kostet Geduld, wenn mal etwas nicht so funktioniert, wie es soll.

Einen Großteil dieser Zeit wird wohl ein jeder als Autodidakt vor dem eigenen heimischen PC verbringen, vielleicht im elektronischen Kontakt zu Gleichgesinnten oder zum Informationsüberangebot des Internets. Leichter und schöner aber ist zumeist doch ein Gedankenaustausch vis-a-vis mit anderen, sei es, um voller Stolz eine clevere Lösung für ein Problem präsentieren zu können, sei es, um beruhigt festzustellen, dass auch andere nicht immer weiterwissen, oder nur, um einen Plausch über das Wetter und die neuest erworbene Hardware zu halten – es gibt nunmal nicht in jeder Woche bahnbrechende Entwicklungen oder Neuerungen.

Also kam es nicht zuletzt der Geselligkeit wegen im Herbst 2004 zur Gründung der LUG-Peine. Erste Vorstellungsveranstaltungen fanden in Schwicheldt, später regelmäßig im Autohof Peine statt. Ein Vereinsraum wurde gesucht, gefunden und mühsam renoviert und eingerichtet. Im Frühjahr stand die erste Homepage im Internet – zumindest datieren die frühesten Einträge im Archiv auf Anfang April 2005. Noch einen Monat später berichtete dann die lokale Presse erstmalig von einem neuen Verein namens „Linux-User-Group“, der wie alle kleinen bis großen Vereine die Vielfalt des kulturellen Angebots im Kreis Peine bereichert.

So begann das bewegte Leben eines kleinen Vereins. Bis zum Dezember 2009 hatte er seinen Sitz in einem Kellerraum an der Simonstiftung in Peine, bevor er dann im Januar 2010 in eine hellere Logis umzog. Interessierten steht nun jeden Samstag von 15-18 Uhr der Vereinsraum in der alten Grundschule in Bülten, in der Goethestr. 2 offen, Mitgliedern auch darüber hinaus.

Hier wird gebrauchte Hardware zu neuem Leben erweckt, mit Software, die so konfigurierbar ist, dass sie auch mit begrenzten Ressourcen noch flüssig läuft. Kontinuierlich wird das kleine Netzwerk ausgebaut und verbessert. Bei einem Becher Kaffee entsteht der eine oder andere Artikel für die Homepage. Mal steht die Frage im Raum, wie man eine alte ISA-Soundkarte zur Mitarbeit bewegen kann, mal geht es um die Einrichtung eines mit Linux- und Windows-Rechnern gemischten Heim-Netzwerks oder jemand sucht eine möglichst unkomplizierte Lösung, um eine weißnichtwie zerschossene grafische Oberfläche wiederherzustellen. Die Diskussionen sind nicht selten lang und wierig, nicht immer abgeschlossen, aber jeder kann im großen oder kleinen zu einer Lösungsfindung beitragen oder auch nur für sich ein wenig aufschnappen und dazulernen.

Schließlich zählt sich die LUG-Peine zur Gruppe der Bildungsvereine. Es gibt zwar nichts, das einem Lehrplan ähnelte und auch keine Art von Systematik, es werden keine Dozenten beschäftigt oder gar Honorar-Gastredner engagiert, aber jeder, der weitreichenderes Know-how und/oder Erfahrungen auf einem Computertechnischen Gebiet verfügt, das auch für andere von Interesse ist, ist gerne eingeladen, dieses Wissen in einem kleinen oder großen Vortrag an andere weiterzureichen.

Letztlich gehört es laut statistischem Bundesamt (www.destatis.de) zur gängigsten Art und Weise den Umgang mit Computern und Software durch die Hilfe anderer zu erlernen; immerhin 83% aller Nutzer gehen so vor, gefolgt von ‚learning-by-doing‘ (73%) oder Kurse in Schulen (37%). Und so geht es stetig weiter, von Aachen bis Frankfurt/Oder und von Flensburg bis Konstanz, in Europa und weltweit.